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BUCHTIP/261: Ein bemerkenswertes neues Sportlexikon (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 34 / 18. August 2009
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Ein bemerkenswertes neues Sportlexikon

Von Lorenz Peiffer


Der grüne Kunstrasenumschlag ist zwar ungewöhnlich, aber originell und ein echter 'Eyecatcher'! Dieser grüne Kunstraseneinband bildet den Rahmen für ein bemerkenswertes Sportlexikon. Der renommierte Verlag Dorling Kindersley, der ansonsten für seine außergewöhnlichen Reiseführer mit 3D-Darstellungen historischer Sehenswürdigkeiten bekannt ist, legt ein Nachschlagewerk vor, in dem über 200 Sportarten unter den Aspekten Regeln - Technik - Taktik vorgestellt werden.

Eingeleitet wird das Lexikon durch ein Kapitel über die Olympischen Spiele, das sich einmal der Geschichte der Olympischen Spiele von Athen 1896 bis Berlin 1936 widmet und in einem zweiten Abschnitt der Geschichte von St. Moritz 1948 bis Turin 2006. In einem weiteren kurzen eigenständigen Abschnitt wird die noch junge Geschichte der Paralympischen Spiele vorgestellt. Den jeweiligen Spielen ist in der Regel eine halbe Seite vorbehalten, auf der Kurzinformationen über die Zahl der teilgenommenen Nationen und Athletinnen und Athleten, die durchgeführten Sportarten und Wettkämpfe gegeben werden. In einem "Starprofil" wird jeweils eine herausragende Sportlerin oder ein Sportler skizziert. In den Text eingebettete Abbildungen, Olympiaposter und die Flagge des Gastgeberlandes illustrieren sehr eindrucksvoll die kurzen Textsequenzen. Unter "Wussten Sie's?" werden Spezifika der einzelnen Spiele aufgeführt. Überhaupt besticht das Lexikon durch seine außergewöhnliche Aufmachung. Das Buch ist durchgehend farbig gestaltet. Text, Abbildungen, Skizzen sind abwechslungsreich arrangiert, wobei die Illustrationen dominieren.

Die über 200 Sportarten sind in 12 Kapitel geordnet. Herausragende Bedeutung nehmen die Leichtathletik (einschließlich der Mehrkämpfe) und Turnen und Kraftsport ein, die in den Kapiteln 1 und 2 einschließlich ihrer einzelnen Disziplinen und Geräte vorgestellt werden. Dass dem Turnen Rhythmische Gymnastik, Trampolinturnen, Sportakrobatik und Aerobic zugeordnet werden, ist nachvollziehbar und von den Bewegungsmustern erklärbar. Aufgrund welcher Systematik jedoch auch Gewichtheben und der Kraftdreikampf ebenfalls mit Turnen wandt´ sein sollen, bleibt für den Leser nicht ersichtlich. Die Vorstellung der einzelnen leichtathletischen Disziplinen sowie die Wettkämpfe an den einzelnen Turngeräten sind alle nach einem ähnlichen Muster aufgebaut. In einem kurzen Überblick wird die Disziplin bzw. die Sportart in ihren Grundzügen erläutert. Die dazugehörigen Sportgeräte werden vorgestellt, Bildreihen geben einen ersten Einblick in die jeweiligen Techniken. Statistiken über Olympiasiegerinnen und Olympiasieger, Weltrekorde liefern zusätzliche Informationen ebenso wie "Gewusst?". Unter dieser Frage wird Wissenswertes, teilweise werden auch nur Kuriositäten vermittelt. Da für jede Disziplin nicht mehr als eine Doppelseite zur Verfügung steht, für die Texte große Schriftzeichen gewählt wurden, die wiederum durch Abbildungen illustriert werden, beschränkt sich der Informationsgehalt auf grundlegende Aspekte. Trotzdem wird dem Leser der Eindruck vermittelt, einen ersten guten Einblick in die Geheimnisse der Sportart bzw. der einzelnen Disziplinen zu erhalten.

Nach diesem Grundmuster werden in den folgenden Kapiteln die weiteren ca. 200 Sportarten präsentiert. Unter "Teamsport" (96-173) finden sich Mannschaftsspiele von Fußball bis Tauziehen (ein neues Spiel?) und Ultimate. An der Zuordnung von Tauziehen zu den Mannschaftsspielen wird wieder einmal der systematische Aufbau des Lexikons fragwürdig. Das lange Tau, an dem auf jeder Seite jeweils eine Mannschaft bestehend aus mehreren Sportlern versucht, die andere Mannschaft über eine Markierung zu ziehen, als Spielgerät einzuordnen, ist - zumindestens - sehr eigenwillig. Unter "Mannschaftsspielen" finden sich aber auch relativ unbekannte Spiele wie z.B. Bandy (159) und Shity (171). Bandy ist ein Wintersport, der auf Natureis gespielt wird. Die Spieler bewegen sich auf Schlittschuhen und versuchen, einen kleinen Ball in das gegnerische Tor zu befördern - mit einem gebogenen Stock (Bandy), Füßen und Körper. Die Berührung des Balles mit den Händen ist dagegen nicht erlaubt. Es spielen zwei Mannschaften mit jeweils 11 Spielern gegeneinander. Shinty ist ein Spiel, das aus dem schottischen Hochland stammt und Ähnlichkeiten mit Feldhockey und Lacrosse aufweist.

Den "Rückschlagspielen" (176-198) ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Neben den bekannten Spielen wie Tennis, Tischtennis und Badminton werden auch hier zu Lande unbekannte Spiele wie Jian Zi (189) vorgestellt, bei dem ein gefiederter Ball in erster Linie mit dem Fuß gespielt wird.

Die weiteren Sportarten sind in folgenden Gruppen zusammengefasst: "Kampfsport" (202-233), "Wassersport" (236-278), "Wintersport" (282-309), "Präzisionssport" (312-343), "Sport auf Rädern" (348-364), "Motorsport" (368-398), "Sport mit Tieren" (400-418) und "Extremsport" (422-435). Sicherlich lässt sich über die ein oder andere Zuordnung von Sportarten zu den genannten Gruppen streiten, insgesamt beweist jedoch sowohl die Benennung der Gruppen wie auch die Zuordnung der Sportarten eine gewisse Logik. Dass sowohl für Golf, Bowling, Poolbillard als auch für die unterschiedlichen Schießsportarten Präzision gefragt ist, ist einsichtig und nachvollziehbar. Die Zusammenfassung in einer Gruppe ist jedoch gewöhnungsbedürftig.

Insgesamt bietet das Lexikon einen illustren Überblick neben den traditionellen auch über eher randständige und weitgehend unbekannte Sportarten. Durch die zahlreichen Abbildungen wird dem Leser ein guter erster Einblick in die jeweilige Sportart vermittelt.

Ein Register, in dem Namen von Sportlerinnen und Sportlern und vor allem Fachausdrücke aus Technik und Taktik nachgeschlagen werden können und auf die jeweilige Seitenzahl im Buch verwiesen wird sowie Hinweise auf "nützliche Websites", runden das Handbuch ab.

Sport. Über 200 Sportarten. Regeln - Technik - Taktik
Aus dem Englischen von Brigitte Rüßmann und Wolfgang Beuchelt, Skriptorium Köln
Dorling Kindersley: München 2008, 448 S., gebunden in Kunstrasen, 24,95 Euro.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 34 / 18. August 2009, S. 35, BÜCHER I
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 8. September 2009