Schattenblick →INFOPOOL →SPORT → FAKTEN

BUCHTIP/259: Begleitband zur Ausstellung "Vergessene Rekorde" erschienen (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 33 / 11. August 2009
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Begleitband zur Ausstellung "Vergessene Rekorde" erschienen

Von Dr. Detlef Kuhlmann


Wer die wichtige Ausstellung "Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933", die während der Leichtathletik-WM im Centrum Judaicum in Berlin zu sehen war, nicht besuchen konnte, der wird - wenn man so will - bestens entschädigt mit dem Begleitband zur Ausstellung, den die Potsdamer (Sport-)Historiker und Macher der Ausstellung Berno Bahro, Dr. Jutta Braun und Prof. Dr. Hans Joachim Teichler parallel herausgegeben haben. Hier sind alle Tafeltexte der Ausstellung enthalten - seine Originalität erhält der Band aber über die insgesamt 15 gehaltvollen Beiträge, die einen weiten Bogen spannen über den jüdischen Sport vor und nach 1933 in Deutschland allgemein und in der Leichtathletik (zumal die in Berlin) im speziellen.

Sowohl in der Ausstellung als auch im Begleitband geht es hauptsächlich um die (Sport-)Biografien von drei jüdischen Ausnahme-Leichtathletinnen und deren bis dahin äußerst erfolgreiche Karrieren, die nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ein jähes Ende nehmen. In drei einfühlsam geschriebenen Beiträgen werden Lilli Henoch (Berliner SC), Martha Jacob (SC Charlottenburg) und Gretel Bergmann (Schild Stuttgart) präzise porträtiert mit ihren vielseitigen sportlichen Laufbahnen, aber auch in ihrem Leben als Jüdinnen in Deutschland, das anfänglich sehr wohl mit der Blütezeit des jüdischen Sports in Deutschland korrespondiert - vollends verfestigt in den unterschiedlichen Gemeinschaften des Sports und frei jedem Anzeichen ideologischer Krisensemantik. Die Internationalität des modernen Sports ging einher mit weltanschaulicher Neutralität und Ideologieabstinenz. Die sportliche Praxis ermöglichte Integration und Kooperation. Weder damals noch heute gibt es (so schreibt Teichler) "eine liberale Hochsprungtechnik oder eine zionistische Fußballtaktik". Der Sport kann sich so gesehen zwar immerzu seine große integrative Kraft besinnen, aber kann er sich auch immerzu auf sie verlassen? Die Biografien der drei exemplarisch ausgewählten Leichtathletinnen lassen Zweifel erkennen - zumal, wenn man jene Beiträge liest, in denen vom Umgang und Ausschluss der jüdischen Mitglieder aus ihren Sportvereinen die Rede ist.

Bahro, B., Braun, J. & Teichler, H. J. (Hg.):
Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933
Berlin: Verlag für Berlin-Brandenburg 2009. 208 S.; 16,90 EUR.


*


Quelle:
DOSB-Presse Nr. 33 / 11. August 2009, BÜCHER II
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt/M.
Tel. 069/67 00-255
E-Mail: presse@dosb.de
Internet: www.dosb.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 29. August 2009