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BUCHTIP/222: Handlungsmöglichkeiten nationaler Sportverbände (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 35 / 26. August 2008
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Handlungsmöglichkeiten nationaler Sportverbände

Von Prof. Dr. Detlef Kuhlmann


Globalisierung gilt mittlerweile als "Allerwelts"-Begriff unserer Zeit, um den Wandel gesellschaftlicher Phänomene in räumlicher Ausdehnung zu bezeichnen bzw. um den transnationalen Charakter von Prozessen und Entscheidungen in politischen, ökonomischen, ökologischen etc. Systemen auszudrücken. Von Globalisierung ist nicht zuletzt auch der Sport betroffen. Um Globalisierung im Sport geht es demnach auch in dieser sportsoziologisch ausgerichteten Studie des Stuttgarter Sportwissenschaftlers Torsten Wojciechowski, der seit 2004 hauptberuflich als Leistungssportreferent des Schwimmverbandes Württemberg arbeitet und dazu noch seit 2000 nebenberuflich Lehrbeauftragter am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart ist. Die jetzt als Buch in der "Reihe Sportsoziologie" erschienene Studie wurde dort auch als Dissertation in der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften angenommen.

Torsten Wojciechowski grenzt das Phänomen der Globalisierung notwendigerweise ein und versucht Antworten zu geben speziell im Blick auf die Aktitivitäten nationaler Sportverbände, indem er wesentlich folgenden Fragen nachgeht: Wie beeinflusst Globalisierung die Handlungsmöglichkeiten der nationalen Sportverbände? Und: Verfügen diese Verbände überhaupt über ausreichende Handlungsmöglichkeiten, um mit den Herausforderungen der Globalisierung adäquat umgehen zu können? Dazu hat er im empirischen Teil seiner Untersuchung längere Interviews mit insgesamt elf Experten (wirklich nur mit Männern?) als "führende Verbandsvertreter" aus nationalen Sportverbänden geführt. Diese Verbände hat er in drei "Blöcken" ausgewählt: Zum einen Personen aus den Mannschaftssportarten, sodann welche aus den Individualsportarten und schließlich aus von ihm hier sog. "sportartübergreifenden Spitzenverbänden". Damit meint Torsten Wojciechowski Vertreter aus dem DSB, dem NOK und dem DOSB - zumal seine Studie zeitlich parallel mit der Fusion von DSB und NOK bzw. der Gründung des DOSB korrespondierte. Allerdings verzicht der Autor notwendigerweise auf die Nennung der Namen der interviewten Experten bzw. einen Verweis auf die betroffenen Sportarten. Das ist wissenschaftsethisch völlig korrekt so. Allerdings lassen sich dadurch leider keine weiteren pragmatischen Schlüsse dahingehend ziehen, ob beispielsweise die Globalisierungsprobleme von Sportarten wie Volleyball und Golf etwa die gleichen sind wie im Schwimmen und Rudern etc.

Den Aufbau der Studie von Torsten Wojciechowski muss man sich grob so vorstellen: Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Globalisierungsphänomen und seinen Bezügen zum Sport folgen methodische Überlegungen zur Konzeption der empirischen Studie. Deren Ertrag wird dann in den Kapiteln fünf bis acht auf rund hundert Seiten ausführlich dargelegt und thematisch in den folgenden vier Segmenten klar differenziert: Es geht dem Autor um die Einflüsse von Globalisierung speziell hinsichtlich der Beziehung nationaler Sportverbände zu den jeweils angeschlossenen Sportvereinen und Athleten (1), zum Staat (2), zu den Medien (3) und schließlich zu den Sponsoren (4). Als ein Fazit hält er im Ausblick zu seiner Studie fest, dass die Bewältigung der Herausforderungen nur durch eine weitere Professionalisierung der Verbandsarbeit zu leisten ist, allerdings nicht so sehr durch Erhöhung des Anteils bezahlter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sondern mehr - so Torsten Wojciechowski - im Sinne von Professionalisierung der Arbeit selbst. Daher werden Personalrekrutierung und Personalqualifizierung für nationale Sportverbände in Zukunft eine wesentliche "Schlüsselrolle" spielen.

Thorsten Wojciechowski:
Handlungsmöglichkeiten nationaler Sportverbände im Zeitalter der Globalisierung
Schorndorf: Hofmann 2008; 232 S.; 19,90 Euro


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 35 / 26. August 2008, BÜCHER V
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
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veröffentlicht im Schattenblick zum 10. September 2008