Schattenblick →INFOPOOL →SPORT → FAKTEN

BUCHTIP/193: Eine Hommage an den 87-jährigen Erfinder des Kempa-Tricks (DOSB)


DOSB Presse - Der Artikel- und Informationsdienst
des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Eine Hommage an den 87-jährigen Erfinder des Kempa-Tricks

Von Dr. Detlef Kuhlmann


Kempa - dieser Name ist wie kein anderer Fachbegriff so eng mit dem Handballspiel unserer Tage verbunden. Mit dem Kempa wissen alle etwas anzufangen, die schon mal selbst Handball gespielt oder bei einem Spiel zugeschaut haben. Der Name Kempa steht aber auch für den mittlerweile 87-jährigen Bernhard Kempa, der diese geradezu artistische Bewegungskombination mehrerer Spieler mit dem Ball auf, nein: über dem Handballspielfeld einst erfunden und als erster mit mehrfachem Torerfolg in einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft ausprobiert hat. Der Kempatrick hat längst Eintrag in deutschsprachige Lexika gefunden, und zwar knapp und konkret "als Ballannahme mit sofortigem Torwurf in der Luft über dem Torraum".

Der früher u. a. an der Pädagogischen Hochschule Esslingen tätige Sportdozent Bernhard Kempa war beim Bundesligisten Frischauf Göppingen bis 1961 aktiv als Spieler und bis 1971 erfolgreich als Trainer und galt bis dahin als der beste Handballspieler der Welt. Dazu ist er bis heute der einzige Mensch der Welt, der es in zwei Ballspielen gleich mehrfach zu Weltmeistertiteln gebracht hat: zweimal mit der Nationalmannschaft im Feldhandball (1952 und 1954) sowie später als Senior dreimal im Tennisdoppel bzw. im Nationen-Cup - ganz abgesehen von weit über hundert (!) anderen nationalen und internationalen Titeln in beiden Sportarten zusammen - sieht man von seinen weiteren erfolgreichen "Ausflügen" im Tischtennis, Basketball und Fußball(-tor) einmal ab. Davon ist natürlich auch, aber eher bescheiden-beiläufig in der grandiosen Biografie die Rede: das mit einigen hundert Fotos aus dem Privatarchiv von Bernhard Kempa bebilderte Buch ist eine mit vielen Zeitungsausschnitten unterlegte Zeitreise in eine längst vergangene Welt des (Handball-)Sports - summa summarum: "Die spannende Geschichte der Handball-Legende", wie es im Untertitel völlig zutreffend heißt. Diese spannende Geschichte ist so ganz nebenbei auch eine kleine Geschichte der Nachkriegszeit des organisierten Sports in der Bundesrepublik Deutschland, in die der in Oberschlesien aufgewachsene und heute in Bad Boll lebende Bernhard Kempa im Jahre 1947 eintrat.

Das Buch ist gegliedert in insgesamt 14 Kapitel, denen elf (!) Grußworte (u. a. von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger und von DHB-Bundestrainer Heiner Brand) vorangestellt sind. Im Editorial der drei Autoren erfahren wir u. a. auch, dass Bernhard Kempa den Titel "Monsieur Handball" seinerzeit von der französischen Zeitung "L'Equipe" erhalten hat und während seiner gesamten Karriere als Handballer nie eine Zeitstrafe bekam, geschweige denn jemals des Feldes verwiesen wurde. Danach zeichnet die "Hommage" den sportlichen und außersportlichen Lebensweg von "B.K." und seiner Familie einschließlich seiner Brüder (die "Kempa-Buben") und seiner Ehefrau Marianne nach, die mit dem VfL München im Jahre 1950 Deutsche Meisterin im Feldhandball wurde und zudem zusammen mit Ski-Olympiasiegerin Christl Cranz schon 1948 Deutschlands erste staatliche geprüfte Skilehrerin war. Zum Schluss: Der Kempatrick hatte in diesen Tagen ein besonderes numerisches Jubiläum: Er wurde nämlich am 24. März des Jahres 1954 zum ersten Male in der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe (Deutschland gegen Schweden 10:10) gespielt. Nun wurde er 54 Jahre alt - in den "vorzeitigen Ruhestand" wird er deswegen keinesfalls gehen dürfen und wollen - eher ist zu wünschen, dass der Kempa auch in 54 Jahren das Handballspiel weiterhin so attraktiv macht, wie es ihm bzw. seinem Erfinder in den zurückliegenden ersten 54 Jahren gelungen ist.

Michael Tilp/Michael Schmiederer/Thomas Kießling:
Monsieur Handball Bernhard Kempa.
Die spannende Geschichte der Handball-Legende.
Eislingen und Neu-Ulm: Kösel 2007; 222 S. 19,80 Euro


*


Quelle:
DOSB-Presse Nr. 20/13. Mai 2008, BÜCHER II, Seite 36
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt/M.
Tel. 069/67 00-255
E-Mail: presse@dosb.de
Internet: www.dosb.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 23. Mai 2008