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BUCHTIP/139: Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball (DOSB)


DOSB Presse - Der Artikel- und Informationsdienst
des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Studie zu Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball

Von Dr. Detlef Kuhlmann


Unter dem Titel: "Die Wandlung des Zuschauerverhaltens im Profifußball - Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen" hatte das Bundesinstitut für Sportwissenschaft eine dreiteilige Studie in Auftrag gegeben, deren wichtigste Ergebnisse auf einer Konferenz im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung in Berlin vorgestellt wurden. Die komplette Dokumentation der Ergebnisse zu diesem Forschungsprojekt liegt jetzt auch in Buchform (mit über 600 Seiten, davon rund 150 als Anhang) vor.

In der ersten Teilstudie geht es um eine dezidierte Betrachtung der "Ultraszene in Deutschland" (160 Seiten): Als Ultras werden gemeinhin jene Fans bezeichnet, die sich extrem für ihren Lieblingsverein (nicht nur in der Bundesliga) begeistern und die Geschehnisse dieses Vereins auf dem Spielfeld und außerhalb zu ihrem Lebensmittelpunkt erklären: "Wir sind das Spiel und der Verein. Wir Ultras sehen eine Vision vom Fanblock und von unserer Kurve", heißt es in einer Passage im Buch, in der Ultras über ihr Selbstverständnis berichten. Bei den Ultras bestehen Feindbilder vor allem gegenüber der Polizei, den Fußballverbänden und den Medien, denen sie u. a. die Zerstückelung von Spielplänen und eine Eventisierung des Fußballs vorwerfen.

Im zweiten Teil der Studie geht es um eine Bestandsaufnahme über die "Soziale Arbeit und Polizei im europäischen Kontext der Fanbetreuung" (70 Seiten): Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich hier je nach Standpunkt bzw. Perspektive ein heterogenes Bild ergibt. Die Fanprojekte auf der einen Seite zeigen eher verhaltene Skepsis bis Ablehnung, während die Polizei auf der anderen Seite sich noch intensivere Kooperationen wünscht. Dabei sind sich beide Seiten in ihrer grundsätzlichen Zielsetzung einig - nämlich in der Gewährleistung der friedlichen Durchführung von Fußballspielen. Der Alltag kann jedoch zuweilen anders aussehen.

Im dritten Teil der Studie geht es um das Aufkommen von "Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus im Zuschauerverhalten und Entwicklung von Gegenstrategien" (100 Seiten): Dabei konnte einerseits ein Rückgang von sichtbarem und hörbarem fremdenfeindlichen und rechtsextremen Verhalten in den Fußballarenen selbst zwar attestiert werden, gleichzeitig musste aber eine räumliche Verlagerung nach außerhalb auf die An- und Abfahrtswege zum bzw. vom Stadion festgestellt werden. Ferner hat die rechtsextreme Szene ihre Handlungsstrategien offensichtlich geändert und kommuniziert z.B. noch mehr mit verdeckten Codierungen.

Die Studien schließen jeweils mit konkreten Handlungsempfehlungen. Die drei Projekte wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren von einem sechsköpfigen Forscherteam mit Sportwissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern aus Hannover, Berlin und Potsdam angefertigt. Ihr zur Seite stand während dieser Zeit ein Projektbeirat unter Vorsitz von Prof. h. c. Dr. Georg Anders vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft und mit seinem Direktor Jürgen Fischer sowie mit Dr. Gregor Rosenthal und Bernd Hermann vom Bundesministerium des Innern, Jürgen Mathies als Vertreter der Polizei, Dr. Alfred Sengele (Deutscher Fußball- Bund), Holger Hieronymus (Deutsche Fußball-Liga), Prof. Dr. Titus Simon von der Fachhochschule Magdeburg-Stendal als Vertreter der Wissenschaft sowie Thomas Schneider von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend.

Gunter A. Pilz, Sabine Behn, Andreas Klose, Victoria Schwenzer, Werner Steffan und Franciska Wölki: Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball (Schorndorf 2006: Hofmann; 611 S.; 48,90 Euro). Hinweis: Das Buch ist erschienen als Band 114 der (rot-weißen) Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, die es seit Bestehen des Bundesinstituts gibt und von der immer noch rund 90 Titel lieferbar sind.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 4 vom 23. Januar 2007, BÜCHER, Seite 45
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veröffentlicht im Schattenblick zum 10. Februar 2007