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FRAGEN/020: Marlene Krenn - Sei Heldin deines Lebens (welt der frau)


welt der frau 10/2010 - Die österreichische Frauenzeitschrift

Sei Heldin deines Lebens
Selbstwert und Gefühle

Von Andrea Mann


Neid, Gier, Zorn oder geringes Selbstbewusstsein sind Energiefresser, die uns im täglichen Leben blockieren. Mental- und Erfolgstrainerin Mag.a Marlene Krenn tritt dafür ein, diese Blockaden des Unterbewusstseins aufzulösen und sein inneres Potenzial für Positives zu nutzen.


Kennen Sie diese Situation, dass Sie jemand auf Ihr neu gekauftes Kleidungsstück anspricht: "Das ist ein toller Rock. War der teuer?" Und Sie sagen automatisch darauf: "Der war ganz billig" - obwohl es nicht stimmt. Mental- und Erfolgstrainerin Mag.a Marlene Krenn sieht darin ein Muster, das viele von Kindheit an in sich haben. Eine innere Grenze, die uns hindert, uns mit gutem Gewissen Gutes zu tun und nach außen dazu zu stehen.


WELT DER FRAU: Was würden Sie antworten?

MARLENE KRENN: "Ja, den habe ich mir gegönnt, weil ich es mir wert bin." Man schmälert sich damit selbst, wenn man sagt, dass der Rock billig war. Viele Menschen haben aber in sich drinnen: Ich bin es nicht wert! Ich verdiene es nicht, dass ich es mir gut gehen lasse. Mir muss es schlecht gehen, weil es meine Eltern nicht leicht hatten. Das begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder, egal ob beim Lehrling oder Top-Manager. Obwohl Letzterer viel verdient, geißelt er sich selbst damit. Er hat unbewusst ein schlechtes Gewissen, wenn er es sich gut gehen lässt. Das muss jetzt nicht der Kauf eines Porsches sein, sondern das beginnt schon bei Kleinigkeiten, wie einem schönen Essen. Doch man soll sich selbst etwas wert sein und damit sein Umfeld automatisch einladen, einen gut zu behandeln.

WELT DER FRAU: Doch viele habe Angst vor dem Neid ihrer Mitmenschen.

MARLENE KRENN: Wir dürfen auch lernen, dass man nicht darauf schaut, was andere über einen denken. Dass man von der Meinung anderer nicht abhängig ist, denn ich weiß selbst am besten, was sich für mich richtig anfühlt. In der Gehirnforschung heißt es, dass Gedanken sofort Gefühle auslösen. Je nachdem, was ich denke, schickt mir das Unterbewusstsein sofort Gefühle. Aus meiner Erfahrung sind es Gedanken, in die man etwas hineininterpretiert, was aber meist nicht der Realität entspricht. Beispielsweise grüßt einen der Nachbar in der Früh nicht. Sofort denke ich mir, er hat ein Problem mit mir. Vielleicht hat er aber nur schlecht geschlafen. Ich beziehe es aber sofort auf mich und mache ein Riesendrama daraus. Diese Interpretationen blockieren Menschen und kosten Energie.

WELT DER FRAU: Was wird blockiert?

MARLENE KRENN: Es macht einen Riesenunterschied aus, ob ich mich in meinem Alltag auf Negatives fokussiere oder das Positive in den Vordergrund stelle. Wenn es zu regnen beginnt, kann ich mich ärgern, dass meine Haare nass werden, oder ich kann mich darüber freuen, dass mein Auto gewaschen wird. Oder ich kann zu meinem Kind in der Früh sagen: "Du musst aufstehen." Oder aber auch: "Willkommen in einem neuen Tag." Es kostet viel Energie, wenn man die Wahrnehmung auf die falschen Dinge richtet. Zorn und Neid beispielsweise vergiften einen selbst, sie schränken einen absotut ein. Zu lernen, dass man anderen Menschen alles Positive von Herzen gönnt, programmiert einen selbst auf Positives. Denn unser Unterbewusstsein unterscheidet nicht in Ich und Du. Doch meist ist es anders antrainiert.

WELT DER FRAU: Von wem?

MARLENE KRENN: Vom Familiensystem, das eine unglaubliche Kraft hat. Ich unterstelle allen Eltern, dass sie das Beste weitergeben, was sie vermittelt bekommen haben. Es sei denn, wir reflektieren, dass das Vermittelte für unser Empfinden doch nicht das Beste für unsere Lebensqualität ist, und ändern etwas daran. Ein Beispiel: Es muss nicht immer nach dem Preis gefragt werden, sondern man kann sich etwas gönnen, auch Zeit für sich. Eltern können das vorleben. Sie kommen nach der Arbeit nach Hause, legen ihr Handy weg und sagen: "Das ist unsere wertvolle Privatzeit, wir leisten uns jetzt ein Eis oder wir kuscheln eine Runde. Weil wir uns das wert sind." Das hebt die positive Grundstimmung im Leben eines Kindes sehr.

WELT DER FRAU: Eine Ihrer Thesen ist: "Wer behauptet, etwas sei unmöglich, wird meist bald von denen überholt, die es einfach tun. - Kreatives Denken kennt keine Grenzen."

MARLENE KRENN: Erdachte Grenzen sind Blockaden, Muster, Programme, die für die Lebensqualität nicht förderlich sind. Menschen kommen zum Coaching, weil sie Blockaden auflösen wollen, um Ziele zu erreichen. Es waren schon oft Frauen bei mir, die sich in Bewerbungsgesprächen nicht zu sagen trauen, was sie verdienen wollen. Sie akzeptieren meist ein niedrigeres Gehalt, aus der Angst heraus, den Job nicht zu bekommen. Das ist ein Muster aus der Kindheit, das vor allem Mädchen antrainiert wird - Selbstzweifel, Schüchternheit. Daher kommt es sehr oft vor, dass sich Frauen unter ihrem Wert verkaufen, weil das Selbstbewusstsein fehlt. Ich weiß von Wirtschaftsbossen, dass sie Frauen teils viel mehr zahlen würden, da sie sehr intuitiv arbeiten und Super-Leistungen bringen. Doch Frauen trauen sich das nicht einzufordern.

WELT DER FRAU: Wie kommt Frau nun zu mehr Selbstbewusstsein?

MARLENE KRENN: Ich arbeite sehr gerne mit Referenzerfahrungen. Gibt es Situationen, wo das Selbstbewusstsein gepasst hat? Solch ein Erlebnis wird dann mit allen Sinnen durchgegangen. Was hat man in dieser Situation gehört, gefühlt, gesehen, gerochen, geschmeckt? Das Unterbewusstsein sagt sich nun: "Aha, es gibt Situationen, in denen ich Selbstbewusstsein habe." Nun beginnen die alten Muster aufzubrechen und es beginnt ein Bewusstseinsprozess. Die frei gewordene Energie, die der Selbstzweifel verbraucht hat, kann nun für etwas anderes eingesetzt werden. Für etwas, was ich lieber möchte. Ziele, die ich erreichen möchte. Die Leute dürfen in ihr eigenes Potenzial hineinschnuppern und das Positive im eigenen Leben sehen, sich mit ihrem Leben wieder verabreden und sich fragen: "Worauf in meinem Leben bin ich stolz?" Kann ich mir selbst helfen, gibt mir das mehr Selbstbewusstsein.

WELT DER FRAU: Wären wir nicht eine Gesellschaft von lauter Egoisten, wenn wir nur noch darauf schauen, dass es uns gut geht, dass wir unsere Ziele erreichen?

MARLENE KRENN: Das glaube ich nicht. Der eine will ein Haus am See, der andere ist mit einer schnuckeligen 40-Quadratmeter-Wohnung zufrieden. Mentales Training soll darauf abzielen, dass man für das, was man wirklich will, Zuversicht bekommt. Dass man es wirklich schaffen kann - von sich heraus. Wenn man genau hinhorcht, streben die meisten nicht nach Besitztümern, sondern wollen glücklich sein, eine gute Partnerschaft haben, ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern. Es kann einem beispielsweise ein schönes Auto schon wichtig sein, das schließt aber eine Persönlichkeitsentwicklung nicht aus. Die meisten schauen darauf, dass es einem selbst und den anderen gut geht, ein Auto ist eine Zusatzfreude. Dort, wo das Materielle an erster Stelle steht, wurden wesentliche Sachen vergessen, denn ohne inneren Erfolg und Zuversicht, ist im Außen alles unwichtig!

WELT DER FRAU: Warum haben wir verlernt, auf unsere eigene Stimme zu horchen? Warum brauchen wir dazu Coaches?

MARLENE KRENN: Viele Menschen haben verlernt, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Der Held, die Heldin ist in einem selbst. Das ist vergleichbar mit einem Arztbesuch. Viele gehen zum Arzt und sagen: "Machen Sie mich gesund." Dann gehen sie hinaus, rauchen eine Zigarette, machen keinen Sport und essen ungesund. Doch die Menschen müssen für ihr Leben Verantwortung übernehmen. Wichtig ist es, dass sich Menschen mit ihrem Leben verabreden, den Weg ihres Herzens gehen. Den Fokus auf das legen, was sie wollen, es sich gut gehen lassen.

WELT DER FRAU: Wie kann man sein eigener Mentaltrainer sein?

MARLENE KRENN: Anfangs vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen ist der beste Zeitpunkt zum Mentaltraining, weil zu diesem Zeitpunkt der Verstand schon oder noch schläfrig ist. Man stellt sich dann vor, sein Ziel erreicht oder gute Charaktereigenschaften bereits zu haben. Ein Beispiel: Ist jemand sehr neidisch, stellt er sich eine Situation vor, in der er sich mit jemandem über ein Geschenk freut. Wenn ich mir das immer wieder vorstelle, bekommt mein Unterbewusstsein den Impuls, es in meinem Leben zu verwirklichen. Wenn mein Kopf und mein Unterbewusstsein mit dem Gedanken durchtränkt werden, dass das möglich ist, bekomme ich innere Zuversicht. So kann ich mich selbst dahin trainieren, dass ich Dinge tue, die mir und auch meinem Umfeld gut tun.


Marlene Krenn (30) hat ein Wirtschafts- und Sprachstudium abgeschlossen und sich dieses bereits als Trainerin mitfinanziert. Dem Ruf eines internationalen Automobilkonzerns in eine Führungsposition in Osteuropa ist sie nicht gefolgt. Die Oberosterreicherin interessieren Menschen mehr als Zahlen. Ihre Seminare und Vorträge hält Krenn nach Möglichkeit im Dialekt, bei ihrer Kleidung legt sie Wert auf einen Farbklecks. "Würde ich Hochdeutsch sprechen, wäre das für mich nicht authentisch." 2008 erfolgte der Eintrag ins "Who is Who" der wichtigsten internationalen Trainerpersönlichkeiten für exzellente nachhaltige Leistungen im Persönlichkeitsentwicklungs-, Mentaltrainings- und Coachingbereich. Heute trainiert sie aus Berufung Mitarbeiter in Unternehmen sowie Topsportler.
(www.verabredungmitdemleben.at)


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Quelle:
welt der frau - Die österreichische Frauenzeitschrift,
Oktober 2010, Seite 16-19
mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und der Autorin
Herausgeberin: Katholische Frauenbewegung Österreichs
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veröffentlicht im Schattenblick zum 4. Dezember 2010