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ZIVILRECHT/475: Ihre Familie können Sie sich nicht aussuchen - aber Ihre Erben (DAV)


Deutscher Anwaltverein (DAV) - Arbeitsgemeinschaft Anwaltsnotariat - Berlin, 18. August 2010

Ihre Familie können Sie sich nicht aussuchen. Aber Ihre Erben.


Berlin (DAV). Deutschland erwartet Rekord-Erbschaften. Die heute 30- bis 60-Jährigen werden in den nächsten zehn Jahren Erbschaften im Gesamtwert von circa 1,5 Billionen Euro antreten. Fast die Hälfte davon ist Immobilieneigentum. Neue Lebensformen wirken sich auf das komplexe Erbrecht stark aus. Der Nachlass sollte daher noch zu Lebzeiten geregelt werden.

"Nachlassstreitigkeiten werden stark zunehmen", sagt Rechtsanwalt und Notar Christian Ruthenbeck, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Anwaltsnotariat im Deutschen Anwaltverein (DAV). Grund dafür sei das vermehrte Auftreten neuer Lebensformen. Das klassische Modell der Vater-Mutter-Kind-Ehe und damit eine gewisse Beständigkeit bis zum Lebensabend nehmen ab. Neue Lebensformen wie die so genannten Patchwork-Familien oder Familien ohne Trauschein führen oft zu komplizierten Erbauseinandersetzungen unter den Angehörigen. Für Außenstehende ist nicht ohne weiteres erkennbar, wer Erbe geworden ist.

"Dies muss nicht sein, vermeiden Sie Streit zwischen den Erben", rät Ruthenbeck. Mit der Errichtung eines Testaments oder eines Erbvertrags sei man gut beraten. "Sie können bestimmen, wem das Vermögen nach Ihrem Tod zufließen soll", sagt Ruthenbeck. Es gebe zwar Regelungen zur gesetzlichen Erbfolge. Entsprächen diese aber nicht den Vorstellungen des Erblassers, können Testament und Erbvertrag, also letztwillige Verfügungen, die gesetzliche Erbfolge ausschließen.

"Inhaltlich kann ein Testament die verschiedensten Regelungen enthalten", sagt Ruthenbeck. Sollen mehrere Personen erben, können Erbquoten festgelegt werden. Auch Teilungsanordnungen seien möglich, die vorschreiben, wie die einzelnen Nachlassgegenstände unter den Erben zu verteilen sind. Ein Testament könne jederzeit aufgehoben oder geändert werden. Es könne sowohl in notarieller Form als auch in handschriftlicher Form errichtet werden. Das eigenhändige Testament müsse aber handschriftlich verfasst und unterschrieben sein, Ort und Datum enthalten. Für Ehegatten und eingetragene Lebenspartnerschaften gebe es auch die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament zu errichten.

Letztwillige Verfügungen können auch in einem Erbvertrag geregelt werden. Im Gegensatz zum Testament sei dann die Mitwirkung eines Notars erforderlich, da ein Erbvertrag zwingend eine notarielle Beurkundung vorschreibt. "Aber auch beim Testament ist die notarielle Beurkundung sinnvoll", sagt Ruthenbeck. Die Hinterlegung des notariellen Testaments beim Amtsgericht stelle zudem sicher, dass das Testament auch gefunden wird und damit der Wille des Erblassers auch tatsächlich berücksichtigt wird. In der Regel könne dann auch auf einen Erschein verzichtet werden, der im Falle des Todes gegenüber bei Ämtern und Behörden erforderlich wäre. Dies spare in vielen Fällen unnötige Kosten.

"Eine nicht zu unterschätzende Gefahr birgt allerdings das Pflichtteilsrecht, welches oft vernachlässigt wird", warnt Ruthenbeck. Durch gute Gestaltung lasse sich dem Willen des Erblassers Geltung verschaffen.

Die Kosten für die Unterstützung bei Testamentserrichtung sind bei Notaren und Anwälten unterschiedlich. Während Notare eine öffentliche Urkunde aufsetzen, fertigen Rechtsanwälte einen Entwurf. Der Notar als Amtsträger rechnet nach den Vorschriften der Kostenordnung eine volle Gebühr ab. Bei einem Nachlasswert von 50.000 Euro beläuft sich die Gebühr auf 132 Euro, von 100.000 Euro auf 207 Euro und von 200.000 Euro auf 357 Euro, von 1.000.000 auf 1.557 Euro, zzgl. Auslagen. Die Erstberatung bei einem Anwalt darf maximal 190 Euro für einen Verbraucher (zzgl. Auslagen) kosten. Eine weitergehende Beratung und Entwurfsvorschläge richten sich üblicherweise nach dem Wert des reinen Vermögens. Es besteht aber immer auch die Möglichkeit, eine individuelle Vereinbarung zu treffen.

Fragen Sie Ihre Anwältin oder Ihren Anwalt. In der Arbeitsgemeinschaft Anwaltsnotariat [1] oder unter www.anwaltsauskunft.de stehen Ihnen kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.

[1] http://anwalts-notariat.de/index.php?templateid=artikel&id=154


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Quelle:
Pressemitteilung AnNot 01/10 vom 18. August 2010
Arbeitsgemeinschaft Anwaltsnotariat
Deutscher Anwaltverein (DAV)
Pressesprecher Swen Walentowski
PR-Referat
Littenstraße 11, 10179 Berlin
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veröffentlicht im Schattenblick zum 20. August 2010