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AUSLAND/8043: Aus aller Welt - 15.01.2019 (SB)


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Gewerkschaften in Simbabwe rufen zum Streik auf

Im südafrikanischen Simbabwe gehen die Menschen auf die Straße, nachdem die Regierung von Präsident Emmerson Mnangagwa am Wochenende die Preise für Diesel und Benzin verdoppelt hat. Inzwischen hat das von Hunger, Arbeitslosigkeit und Energieknappheit geprägte Land die höchsten Treibstoffpreise der Welt. Ein Liter Benzin kostet umgerechnet 3,31 $, ein Liter Diesel 3,11 $. Die Gewerkschaften haben deswegen einen dreitägigen Streik ausgerufen. Viele Geschäfte in der Hauptstadt Harare blieben geschlossen. Bei Protestkundgebungen am Montag wurden mindestens 200 Menschen festgenommen. Bei Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten hat es einen Toten und viele Verletzte gegeben. In Harare und Bulawayo errichteten Demonstranten Barrikaden. Geschäfte wurden geplündert.

Simbabwe muß Benzin und Diesel importieren, aber dafür fehlt es dem Land an Devisen. Seit der Hyperinflation vor zehn Jahren ist vor allem der US-Dollar im Umlauf. Auch von der Fremdwährung ist zu wenig vorhanden. Deshalb hat die Regierung Schuldscheine ausgegeben, die allerdings auf dem Schwarzmarkt nur ein Drittel des dem Dollar gleichgesetzten Nominalwertes bringen. Mit den Schuldscheinen kann jedoch Treibstoff bezahlt werden, dessen Import die Regierung in Dollar abwickeln muß.

Die Währungskrise sowie hohe Steuern und Treibstoffpreise haben dazu geführt, daß viele Menschen Probleme haben, sich Grundnahrungsmittel zu beschaffen. Die Regierung hat die Bevölkerung aufgerufen Fahrrad zu fahren, während der Präsident und seine Kabinettsmitglieder Jets chartern und in neuen Autos herumfahren.

Mnangagwa kam im November 2017 an die Macht. Er ist ein Parteifreund und langjähriger Begleiter von Robert Mugabe. Der Machthaber war nach 30 Jahren im Amt wegen eines Militärputsches und Massendemonstrationen zurückgetreten, kurz bevor beide Parlamentskammern in einem Amtsenthebungsverfahren abstimmen konnten.

15. Januar 2019


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