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KALENDERGESCHICHTEN/111: 03-2020   Spuk und Tränen - Faustpfand ... (SB)



Im Vordergrund steht der Riese mit verschmitztem Grinsen und der geballten Riesenfaust, davor schwebt das kleine, blaue Flattergeistchen - Buntstiftzeichnung: © 2020 by Schattenblick

In dem Moment, da Rumtrum die drei Hausgeister verlassen wollte, brach draußen ein heftiger Gewittersturm los und das Haus begann zu zittern, so dass es ihm recht unwohl zumute war. Nichtsdestotrotz begab sich Rumtrum auf seine Wanderschaft in der Hoffnung, irgendwo wirklich böse Geister zu treffen.

Er war bereits eine ganze Weile unterwegs, hatte sein Haus und die Geister ein gutes Stück hinter sich gelassen, da nahm der Sturm noch einmal richtig Fahrt auf. Rumtrum hatte alle Mühe sich zu halten, schließlich wollte er nicht einfach irgendwo hingeweht werden. Zu allem Übel setzte nun auch noch schlagartig die Dämmerung ein, die sich in Sekunden zur völligen Dunkelheit wandelte. Plötzlich schien es ihm, als ob jemand ganz hässlich lachen würde. Doch wer sollte hier draußen bei diesem Unwetter so gemein lachen? Und worüber?

"Na, Bürschchen, was treibst du dich hier herum? Wohin willst du?", tönte ein tiefe Stimme. Der kleine, mutige Geist war auf einmal gar nicht mehr mutig und wusste auch nicht, was er und vor allem wem er antworten sollte. Allerdings ärgerte ihn diese freche Anrede und so gab er einfach barsch ins Leere hinein zurück: "Was geht 's dich an. Lass mich einfach in Ruhe meinen Weg gehen!", schimpfte Rumtrum der unsichtbaren Stimme entgegen.

"Ho, ho, du bist ja ein ganz dreister Flegel. Ich glaube, du weißt nicht, mit wem du es zu tun hast!", brüllte die Stimme und im gleichen Moment wurde Rumtrum von einer solch heftigen Böe erfasst und herumgeschleudert, auf und nieder geworfen und dann auch noch so wild umhergewirbelt, dass ihm nicht nur übel, sondern auch angst und bange wurde.

"Na, Bürschchen", donnerte die Stimme, "wie wäre es mit einem Flug in unbestimmte Weiten, einfach mal so ins nirgendwo?" Das war natürlich gar keine richtige Frage, denn bevor Rumtrum noch antworten konnte, flog er mit rasanter Geschwindigkeit gen Westen weit übers Meer hinaus. Er sehnte sich danach irgendwo wieder Land zu sehen, vielleicht auch hübsche Häuschen oder wenigsten Wiesen, Felder und Wälder. Doch Wasser und Wellen wogten unter ihm und setzten den Wellenkämmen weiße Schaumkronen auf. Das war zu viel für Rumtrum und er schrie in graue Nichts hinein: "Was soll das? Lass mich sofort an Land? Warum tust du mir das an? Was habe ich dir getan?" Er hatte nicht wirklich mit einer Antwort gerechnet, aber es breitete sich allmählich ein leises Säuseln um ihn herum aus, dass lauter und lauter wurde.

"Du mir etwas getan, bist noch bei Trost? Was bildest du dir ein, dass du kleiner Wicht mir etwas antun könntest? Aber nun genug, ich bringe dich genau dorthin, wo du von Anfang an hin wolltest - zu den Trollen!", grollte der mächtige Unsichtbare.

"Woher weist du, wo ich hin will oder was ich vorhabe?", platzte Rumtrum vor Neugier. Aber er schien wohl keiner Antwort würdig zu sein, denn ganz urplötzlich spürte der kleine Geist Boden unter seinen Füßen. Verdutzt sah er sich um, blickte auf grün bewachsene Hügel, knorrige alte Bäume, und was war denn das da am Horizont? Sollte es tatsächlich ein Häuschen sein? "Das sieht aber merkwürdig aus", dachte Rumtrum, "das Dach reicht fast bis an den Boden und ist mit grünem Gras bewachsen. Das muss ich sofort überprüfen, vielleicht handelt es sich doch nur um einen Grashügel, tja, ich muss unbedingt näher heran." Eilig schritt der kleine Geist auf das - oh Schreck ...

"Es hat sich bewegt, ganz sicher, es hat sich erhoben ...", weiter reichten seine Gedanken nicht, denn schon zwei Schritte später stand das Haus, das gar kein Haus, sondern ein Riese mit einem grünen Hut war, vor ihm und lachte, streckte eine gewaltig grobe Hand nach Rumtrum aus und griff zu. Rumtrum schrie: "Lass mich runter, lass mich sofort los, oder ..."

Da lachte der Riese nur noch lauter und grinste ihn an: "Oder was? Hast du etwa vor, gegen mich zu kämpfen?" Und nun erscholl auch noch ein höhnisches Gelächter aus der Ferne. Rumtrum bemühte sich, durch die Ritzen zwischen den dicken Fingern der Riesenhand hindurch zu lugen. Doch was er da erblickte, versetzte ihn in ungläubiges Staunen. Am Horizont reihten sich weitere fünf grünhütige "Häuser" aneinander, die hin und her wankten.

"Wo bin ich nur gelandet? Was sind das für merkwürdige Leute hier? Und wie kann ich mich aus dieser bösen Hand befreien?", überlegte Rumtrum und bemühte sich keine Angst zu haben. Der Riese oder was immer er auch sein mochte, schwang seine Hand hin und her und grölte laut irgendetwas zu seinen Kumpanen. Bisher waren weder Wände noch Türen ein Hindernis für ihn, aber diese Hand schien ein Gefängnis zu sein, dem er nicht entkommen konnte, so sehr er sich auch bemühte.

Plötzlich flatterte vor seinen Augen ein winzig, winzig kleines Etwas mit viel zu großen Flügeln auf und ab und kicherte: "Du Dummkopf, du weißt es wirklich nicht?"

Rumtrum wunderte sich gar nicht erst darüber, wie auch dieses Flattergeistchen wissen konnte, was er sich gerade in Gedanken gefragt hatte, sondern antwortete einfach: "Nein, ich weiß wirklich überhaupt nichts."

"Auch nicht, wie du dich befreien kannst?", grinste es. "Genau, auch das weiß ich nicht", ärgerte sich der kleine Geist. "Nun, zum einen kann ich dir sagen, dass du dich gerade in der Hand des wirklich übelsten Gesellen der Trolle befindest und zum zweiten ... "

Weiter konnte das winzige Flattergeistchen nicht sprechen, denn der Riese hatte es fortgepustet.

Weitere Abenteuer mit Rumtrum folgen ...


1. März 2020


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