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PROJEKT/221: Philippinen - Manobo verteidigen ihre Lebensweise


die zeitung - terre des hommes, I. Quartal 2011

Lernen für zwei Welten
Philippinen: Manobo verteidigen ihre Lebensweise

Von Michael Heuer


Früher waren die Manobo ein unabhängiges Volk. Ihr Reichtum bestand aus Flüssen, Sumpflandschaften und Wäldern, die ihnen alles gaben, was sie zum Überleben brauchten: Früchte, Gemüse, Fisch und Fleisch. Das Volk der Manobo lebt in der Provinz Agusan del Sur im Nordosten der philippinischen Insel Mindanao. In ihrer Geschichte haben die Manobo gelernt, wie sie das sensible Ökosystem bewirtschaften und erhalten können. Trotzdem können viele Familien nicht mehr von dem leben, was ihnen die Natur bietet.

Dass der Lebensraum der Manobo massiv bedroht ist, hat vor allem mit der Ausbeutung der Naturressourcen Mindanaos zu tun. Großgrundbesitzer und Konzerne haben in den letzten Jahrzehnten immer mehr Obst- und Palmölplantagen errichtet. Andere Firmen verdienen ihr Geld mit der großflächigen und oft illegalen Abholzung der Wälder. Hinzu kommen zahlreiche Minengesellschaften, die, angefacht durch die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt, nach Gold und Silber schürfen. Und so verlieren die Manobo immer größere Teile ihres Landes. Die Gewässer, die ihnen früher reichlich Fisch bescherten, sind durch die Pestizide aus den Plantagen und die ungeklärten Abwässer der Minen verseucht. Bei Überschwemmungen fließt die giftige Brühe auf die Gemüsefelder der Manobo. Durch die Abholzung der Wälder sind viele Tier- und Pflanzenarten bedroht.


Familien verlassen Dörfer

Gern verweisen die Minenbetreiber auf ihre Verdienste beim Aufbau der Infrastruktur sowie von Sozialprojekten in den Manobo-Dörfern. Davon profitieren aber nur die Gemeinden, die ihre Grundstücke an die Firmen verpachten. Weil viele Manobo weder lesen noch schreiben können, werden sie bei Verhandlungen oft betrogen. Wer nicht mehr vom Fischfang, der Jagd oder dem Gemüseanbau leben kann, muss sich einen Job auf einer Plantage oder bei einer Minengesellschaft suchen. Viele Familien verlassen ihre Heimatdörfer und ziehen in die Großstädte.

Für die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Manobo-Dörfern setzt sich die von terrre des hommes unterstützte Organisation PASAKK ein. Die Mitarbeiter von PASAKK helfen den Ureinwohnern bei Verhandlungen mit Firmen und Behörden. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit liegt darauf, das traditionelle Wissen über nachhaltige Landwirtschaft zu fördern und zu verbreiten. Hierzu bietet PASAKK Kurse und Workshops an.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht aber die interkulturelle Bildungsarbeit: Kinder und Jugendliche sollen lernen, wie sie die Herausforderungen der Globalisierung meistern können, ohne ihre traditionellen Wurzeln zu vergessen. Diesem Ziel dienen die drei von PASAKK eingerichteten Schulen, in denen insgesamt 270 Jungen und Mädchen lesen, schreiben und rechnen lernen. Sogar Englisch steht auf dem Stundenplan. Von ebenso großer Bedeutung sind die Unterrichtseinheiten, in denen es um die Kultur der Manobo geht. Dazu zählen Tänze, Lieder und das traditionelle Kunsthandwerk. In den schuleigenen Gärten lernen die Kinder die einzigartigen Pflanzen, Frucht- und Gemüsesorten kennen, die bereits von ihren Vorfahren angebaut wurden. Auch die Folgen der Zerstörung der Natur durch Plantagen, Minen und Waldrodung werden im Unterricht behandelt.

Für die Kinder ist die Schule eine große Chance. Buchstaben und Zahlen gehören bald ebenso selbstverständlich zu ihrem Alltag, wie das Wissen um die Tradition, die vielen Generationen ihres Volkes das Überleben sicherte. Und dieses Wissen wird ihnen helfen, ihre Rechte wahrzunehmen und sich gegen Diskriminierungen zu wehren.


Michael Heuer
(m.heuer@tdh.de)

terre des hommes unterstützt die Arbeit von PASAKK mit insgesamt 59.400 Euro.


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Quelle:
die zeitung, I. Quartal 2011, S. 7
Herausgeber: terre des hommes Deutschland e.V.
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veröffentlicht im Schattenblick zum 15. April 2011