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PROJEKT/202: Kinderhandel - "Wir müssen die Gesellschaft wachrütteln"


die zeitung - terre des hommes, 4. Quartal 2009

"Wir müssen die Gesellschaft wachrütteln"
Im Porträt: Carlos Manjate, REDECAME Mosambik

Von Urte Tegtmeyer


"Es musste etwas getan werden, um den Familien einen Anreiz zu geben, Geld zu verdienen und ihre Ernährung zu sichern", erzählt Carlos Manjate aus Mosambik über Mahubo, eine Gemeinde im Süden des Landes in der Nähe der Hauptstadt. Im Dorf sind Kinder nach Südafrika verkauft worden, um sie dort arbeiten zu lassen. Daraufhin hatten sich die Gemeindevorsteher an den Direktor der von terre des hommes unterstützten Organisation "Netz gegen den Missbrauch von Kindern" (REDECAME) gewandt: "Diese Gemeinde ist nach dem Bürgerkrieg 1992 umgesiedelt worden. Die Eltern hatten keine Arbeit, es gab keine Schule und kein Wasser, um Felder zu bewirtschaften." Ein idealer Nährboden für Kinderhandel, der in Afrika ein großes Problem ist, über das aber nach Ansicht des 43-Jährigen viel zu wenig gesprochen wird. Carlos Manjate ist in Maputo geboren und selber Vater von zwei Kindern. Armut ist die Hauptursache dafür, dass Kinder in die Fänge von Menschenhändlern geraten, die mit diesen Kindern gute Geschäfte machen. Besonders in ländlichen Regionen ist die Armut groß. Die Kinder werden mit schönen Versprechungen gelockt. Doch die Realität sieht in den meisten Fällen ganz anders aus.

Damit die Kinderhändler kein leichtes Spiel haben, klärt Carlos Manjate die Menschen über die Gefahren des Kinderhandels auf. Der leidenschaftliche Fußballspieler ist Koordinator der nationalen Kampagne gegen Kinderhandel in Mosambik. Und er hat schon beachtliche Erfolge erzielt. Durch Schulungen in verschiedensten Organisationen und breite Öffentlichkeitsarbeit nimmt die Nichtregierungsorganisation REDECAME mittlerweile eine Schlüsselposition gegenüber der mosambikanischen Regierung ein. In vielen Gesprächen mit den verschiedenen Ministerien sowie bei Diskussionen im Parlament konnte REDECAME direkten Einfluss auf die Gestaltung eines Gesetzentwurfes gegen Kinderhandel nehmen.


Theorie und Praxis

Weil Netzwerkarbeit allein Carlos Manjate nicht ausreichte, hat er ein Pilotprojekt mit der umgesiedelten Gemeinde Mahubo entwickelt. Gemüsegärten wurden angelegt, um die Ernährung der Menschen zu sichern; ein Wasserreservoir sorgt für ganzjährige Ernten. So können sich die Familien ausgewogen ernähren und Überschüsse verkaufen. Das sichert wiederum den Lebensunterhalt der Kinder.

Wichtig dabei ist die Einbeziehung der Gemeinde vorstände: "In Gesprächen haben wir ihnen vermittelt, dass es für die Kinder eine große Gefahr sein kann, wenn sie zum Beispiel nach Südafrika gehen. Gefährlich wird es auch, wenn jemand ins Dorf kommt und Kinder mitnimmt, um ihnen angeblich eine gute Arbeit zu verschaffen. Viele kommen mit nichts zurück, ausgebeutet und missbraucht. Durch diesen Dialog haben wir die Gemeindevorsteher auf das Problem Kinderhandel aufmerksam gemacht."

Seit neun Jahren arbeitet Carlos Manjate mit terre des hommes. Er mobilisiert die Öffentlichkeit, damit die Mosambikaner dem Kinderhandel die Stirn bieten. Wie das Modellprojekt in Mahubo gezeigt hat, ist die Bekämpfung von Armut das wirksamste Mittel gegen Kinderhandel: "Auf diesem Weg geben wir das Thema Kinderrechte in die Gemeinden weiter und sorgen dafür, dass sich dieser Ansatz mit Hilfe des Modellprojekts weiter in der Gesellschaft verankert." Denn wachgerüttelte Menschen sind der beste Schutz vor Kinderhandel.


terre des hommes unterstützt die Arbeit von REDECAME bislang mit 13.000 Euro.


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Quelle:
die zeitung, 4. Quartal 2009, S. 7
Herausgeber: terre des hommes Deutschland e.V.
Hilfe für Kinder in Not
Ruppenkampstraße 11a, 49084 Osnabrück,
Tel.: 0541/71 01-0, Fax: 05 41/70 72 33
E-Mail: info@tdh.de
Internet: www.tdh.de

die zeitung - terre des hommes erscheint
4 Mal jährlich. Der Verkaufspreis wird durch Spenden
abgegolten.


veröffentlicht im Schattenblick zum 3. Februar 2010