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LÄNDERBERICHT/075: Wie Projektpartner in Afrika auf die Weltwirtschaftskrise reagieren


die zeitung - terre des hommes, 1. Quartal 2010

Raus aus der Krise
Wie Projektpartner in Afrika auf die Weltwirtschaftskrise reagieren

Von Urte Tegtmeyer


Gertrude Shinkanga ist viel unterwegs. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise ist ihr Wissen gefragt. Denn sie ist Expertin auf dem Gebiet der Permakultur. So nennt man Gemüsegärten, in denen Pflanzen nebeneinander gesetzt werden, die sich im Wachstum begünstigen. Außerdem kann auf den Einsatz von chemischen Düngern und Pestiziden verzichtet werden. Die 65-Jährige ist Direktorin der Organisation Community Youth Concern, kurz CYC, ein Projektpartner von terre des hommes. Sie träumt davon, in allen Schulen weitläufige Gemüsegärten anzulegen. Denn nur so können die Folgen der Wirtschaftskrise abgemildert werden, die Sambia besonders hart treffen: »Die Finanzkrise in Sambia wirkt sich besonders aus, weil Sambia so abhängig vom Kupfer ist. Die Kupferpreise schwanken sehr stark. Deshalb hat Sambia immer wieder Schwierigkeiten mit der nationalen Wirtschaft, weil die hiesigen Finanzen eng mit dem Kupferpreis verbunden sind«, so Gertrude Shinkanga.

Sambia gehört zu den ärmsten Ländern der Welt mit einer der höchsten HIV-Infektionsraten im südlichen Afrika. Besonders betroffen davon sind die Kinder, die entweder selbst mit dem HI-Virus angesteckt wurden oder ihre Eltern durch Aids verloren haben. Solche Kinder werden über den Projektpartner CYC von terre des hommes unterstützt. Neben Schulmaterialen wie Bücher, Hefte und Schuluniformen bekommen die Kinder sowohl in Schulen als auch in einem Krisenzentrum von CYC gesunde Mahlzeiten. Doch diese können immer weniger Familien bereithalten, weil die Preise für Nahrung gestiegen sind. Die Folgen: Die Mütter haben nicht mehr genug zu essen für ihre Familie. Deshalb laufen die Kinder von zu Hause weg. Für diese Kinder, die nicht mehr ausreichend von ihren Familien versorgt werden, hat CYC ein Zentrum eingerichtet. Hier können Kinder vorübergehend ein neues Zuhause finden, bekommen zu essen und werden betreut. Doch diese Arbeit ist in Gefahr, wenn nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stehen.


Südafrika ist besonders betroffen

Auch in anderen Ländern im südlichen Afrika zeigt die Finanzkrise schwere Auswirkungen. In Südafrika haben Tausende Arbeiter ihre Jobs in Gold- und Diamanten-Minen verloren. Dadurch rutschen Familien in die Armut. Im Twilight-Projekt für Straßenkinder ist seit Beginn der Finanzkrise der Zulauf gestiegen. Doch die finanziellen Mittel, um mehr Kinder aufzunehmen, sind nicht da. Auch in Mosambik wird es im sozialen Bereich Einschnitte geben. Da das Land in hohem Maße von ausländischen Geldern abhängig ist, werden sich Kürzungen in den Haushalten zuerst auf soziale Projekte auswirken. Felix Mulhanga, terre des hommes-Regionalkoordinator für das südliche Afrika, warnt deshalb davor, dass die Folgen der Krise zeitlich versetzt bald auch in Afrika noch drastischer spürbar werden.


Weniger Geld für Nichtregierungsorganisationen

Auch Hilfsorganisationen wie CYC steht immer weniger Geld zur Verfügung. Das bedeutet, dass in den Projekten zukünftig weniger Kinder unterstützt werden können, obwohl der Bedarf an Hilfe stark angestiegen ist.

»Viele Menschen, die CYC bislang unterstützt haben, reduzieren ihre Spenden, weil sie selber kein Geld mehr haben. Große Geldgeber und Spendenorganisationen ziehen sich aufgrund der Weltwirtschaftskrise sogar ganz zurück. Deshalb leidet CYC so stark unter der Krise. Wir müssen Alternativen suchen. Deshalb bringen wir den Frauen bei, wie sie eigenständig Geld verdienen können. Wir müssen uns mehr auf regionale Ressourcen stützen«, erklärt Gertrude Shinkanga.

Doch um Land oder Vieh zu kaufen, ist zunächst Geld notwendig. Auch für Maschinen, die benötigt werden, um Land zu bewirtschaften oder Ernteerträge weiter zu verarbeiten, ist finanzielle Hilfe unabdingbar. Um hiervon in Zukunft unabhängiger zu werden, hat CYC mit Unterstützung internationaler Geldgeber eine eigene Farm aufgebaut, mit deren Erträgen sich ein Teil des Programms finanzieren soll. Außerdem werden Getreide und Gemüse in Krisenzeiten in den verschiedenen Projekten verteilt. CYC kauft in Gemeinden Land, das Frauen bewirtschaften. Oder Hühner, um die sich die Frauen kümmern. Wie sie wirtschaftlich arbeiten können und welche Mittel und Wege es gibt, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, bekommen die Frauen in Schulungen von CYC vermittelt. Das hilft ihnen, auf eigenen Füßen zu stehen.


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Quelle:
die zeitung, 1. Quartal 2010, S. 5
Herausgeber: terre des hommes Deutschland e.V.
Hilfe für Kinder in Not
Ruppenkampstraße 11a, 49084 Osnabrück,
Tel.: 0541/71 01-0, Fax: 05 41/70 72 33
E-Mail: info@tdh.de
Internet: www.tdh.de

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abgegolten.


veröffentlicht im Schattenblick zum 20. März 2010