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NACHRUF/001: Zum Tod von Samir Amin (Promedia Verlag)


Promedia Verlag - 14. August 2018

Nachruf auf Samir Amin


Einer der einflussreichsten Intellektuellen des "globalen Südens" ist tot. Samir Armin verstarb am 12. August 2018 fast 87-jährig in Paris. Der Promedia Verlag trauert um einen Autor, dessen auf Französisch verfasster Text "Souveränität im Dienste der Völker" gerade ins Deutsche übersetzt wird. Das Buch wird als so nicht geplantes Vermächtnis im Frühjahr 2019 erscheinen.

Der 1931 in Kairo geborene Samir Amin zählte zu den profundesten Kritikern kolonialer Ausbeutungsstrukturen. Seine dependenztheoretischen und weltsystemischen Arbeiten prägten Generationen von entwicklungspolitisch Interessierten. Als langjähriger Direktor des Dritte-Welt-Forums in Dakar/Senegal entwickelte er auch praktische Modelle für eine autozentrierte Entwicklung, die er als einzig gangbaren Weg für periphere Volkswirtschaften sah, um sich von der zerstörerischen Kraft der Globalisierung abkoppeln zu können. Es galt und gilt, so seine Überzeugung, der Kapitalakkumulation im Weltmaßstab die Souveränität der Völker entgegenzustellen. Und diese begann für ihn bei der bäuerlichen Landwirtschaft, die allein Ernährungssicherheit garantieren könne.

Als Marxist und Antiimperialist kämpfte Amin auch für eine Verbindung der Klassenkämpfe in der Produktion mit den Befreiungskämpfen überall auf der Welt.

So verlustreich sein Tod für die Linke ist, so stark wird seine Stimme, die in vielen Sprachen ihren Niederschlag gefunden hat, bleiben.

In Erinnerung wird uns Samir Amin auch als sehr bescheidener und unprätentiöser Autor und Mensch bleiben. Anstatt eines langseitigen Vertrages kommunizierte er freundschaftlich und unkompliziert. Wir werden uns anstrengen, seinen intellektuellen Anforderungen gerecht zu werden.

Hannes Hofbauer, für den Promedia Verlag

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Quelle:
Promedia Verlag
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Internet: www.verlag-promedia.de

veröffentlicht im Schattenblick zum 17. August 2018

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